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21.03.2018

„Was mach´ ich bloß mit diesen Kindern? Fachtag der AG 78 Gewaltprävention

Großer Andrang auf Fachtag zum pädagogischen Umgang mit schwierigen und belasteten Kindern

Unter dem Titel „Was mach ich bloß mit diesen Kindern?“ hatte die Arbeitsgemeinschaft „Gewaltprävention“ der Stadt Köln pädagogische Fachkräfte aus Köln zu einem Fachtag ins Jugendgästehaus Riehl eingeladen, bei dem die pädagogische Praxis im Mittelpunkt stehen sollte. 200 Pädagoginnen und Pädagogen konnten aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse über die Ursachen von herausfordernden Verhaltensweisen erfahren und in vielen Workshops verschiedene pädagogische Methoden kennen lernen und diskutieren.

Der Fachtag wurde veranstaltet durch die Arbeitsgemeinschaft Gewaltprävention. Diese Arbeitsgemeinschaft besteht aus verschiedenen freien Trägern – unter anderem dem Kinderschutzbund Köln – dem Jugendamt, dem Sportamt und dem Schulentwicklungsamt der Stadt Köln sowie der Polizei. Ihre Aufgabe ist es Impulse für die Weiterentwicklung der Gewaltprävention in Köln zu entwickeln. In diesem Rahmen veranstaltet sie Fachtage für die Fachöffentlichkeit. Dieser war bereits der dritte Fachtag.

Aktuell gibt es in vielen Familien Verunsicherungen und Belastungen, die sich in besonderer Weise auf die Kinder und Jugendlichen auswirken: z.B. Familien- und Kinderarmut, Flucht und Migration, prekäre Arbeits- und Wohnverhältnisse, inkonsistentes Erziehungsverhalten, Trennung und Scheidung. Hinzu kommen weitere schwierige Erfahrungen in kindlichen Lebenswelten, z.B. Ausgrenzung und Mobbing, Schulversagen. In der Folge haben es Pädagoginnen und Pädagogen in Kindergarten, Schule oder in Freizeiteinrichtungen vielfach mit in verschiedener Weise auffälligen und belasteten Kindern und Jugendlichen zu tun. Oft stellen deren Verhaltensweisen eine große Herausforderung auch für die gesamte Gruppe in Kita oder Schule dar.

Die Pädagogen sind deshalb besonders konfrontiert mit der Frage, wie diese Kinder unterstützt werden können, und was sie als Fachleute brauchen, um das in angemessener Weise tun zu können.

Eine besondere Rolle spielen aktuell die traumatisierenden Erfahrungen, die Kinder (und ihre Eltern) im Kontext von Krieg, Flucht und dem schwierigen Ankommen in Deutschland gemacht haben. Als traumatisierend erlebt werden aber auch anhaltender Streit und konflikthafte Trennungen der Eltern sowie Gewalterfahrungen in der Familie oder in der Peergruppe.

Deshalb begann der fachliche Austausch mit einem Vortrag von Hedi Gies, die die Bedeutung und die Folgen von traumatischen Erfahrungen bei Kindern und Jugendlichen verdeutlichte. Sie stellte vor, wie in pädagogischen Situationen mit Betroffenen umgegangen werden kann. Hedi Gies widmet sich in freier Praxis und im Rahmen des Instituts „Trauma und Pädagogik“ der Aufgabe, die Entwicklung der Traumapädagogik gesellschaftlich und institutionell, pädagogisch und individuell mitzugestalten. Dabei geht es darum, die besonderen Belastungen und Risiken der Kinder in der pädagogischen Praxis zu berücksichtigen und diese zu integrieren und nicht um eine therapeutische Aufarbeitung.Besonders betonte Frau Gies die Bedeutung von Selbstfürsorge für die Pädagoginnen und Pädagogen, damit sie dieser anspruchsvollen Aufgabe gerecht werden können.

Es gibt verschiedene pädagogische Herangehensweisen und Ansätze, um die Kinder und Jugendlichen angemessen aufzufangen, zu fördern – einzeln und in der Gruppe. Diese wurden auf dem Fachtag vorgestellt- sowohl im Vortrag als auch in Arbeitsgruppen.

So wurde der Umgang mit Vielfalt als Lernprozess einer Gesellschaft diskutiert und über Resilienzförderung bei Kindern informiert. Es gab eine praktische Einführung in die Methodik der konfrontativen Pädagogik und Anregungen zur partnerschaftlichen Arbeit mit den Eltern, mehrere Vorstellungen von Möglichkeiten der traumasensiblen Arbeit in Kita, Schule und Jugendarbeit sowie einen Einblick in die Methode der Achtsamkeit und das Selbstwirksamkeitstraining nach Krav Maga für Erwachsene und Kinder.

Als Ergebnis des Fachtages hat die Arbeitsgemeinschaft folgende Forderungen aufgestellt:

  1. Die Pädagoginnen und Pädagogen brauchen bessere Informationen über Angebote zu Unterstützung und Traumabewältigung in Köln. Die Netzwerk-Arbeit muss noch deutlich intensiviert werden.
  2. Es bedarf deutlich mehr Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte zu Trauma und Bindungsstörungen.
  3. Schule ist ein wichtiger Ort für achtsamen Umgang mit Kindern und Jugendlichen. Wir brauchen Kooperationen der Schulen mit verschiedenen Berufsgruppen und Anbietern.
  4. Die Selbstfürsorge von Pädagoginnen und Pädagogen muss in der Zukunft mehr Gewicht erhalten und in den Einrichtungen entsprechend eingeplant werden.

Die AG weist auch darauf hin, dass die Schaffung einer zentralen Koordinationsstelle für Gewaltprävention, eine ihrer zentralen Forderungen in der Vergangenheit, inzwischen durch den Rat der Stadt Köln bewilligt worden ist, und hofft jetzt auf eine baldige Besetzung dieser Stelle.

Der Fachtag wurde unterstützt durch die Aktion „wir helfen“ des Kölner Stadt-Anzeigers und die RheinEnergie-Stiftung Familie, sowie das Jugendamt und das Sportamt der Stadt Köln.

Der Kinderschutzbund Köln ist Mitglied im AK §78 Gewaltprävention und war an der organisatorischen und inhaltlichen Planung und Durchführung des Fachtages aktiv beteiligt.
Flyer Fachtag Gewaltprävention AG 78

Workshops Fachtag Gewaltprävention AG 78

Kontakt bei Rückfragen bitte an:

Mechthild Böll (Sprecherin der AG 78 Gewaltprävention)
mechthild.boell@web.de;

 

 

 

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